Karte Niederschlesien, Ausschnitt aus: Knaurs Weltatlas, Karte Nr. 8 Nordostdeutschland 1:3500000, Berlin 1932
1935-11-07
Schriftverkehr des Notariats Neumarkt in der Erbauseinandersetzungssache des Heinrich Schmidt
Dr. Bartels, Rechtsanwalt und Notar, Neumarkt in Schlesien, Oberring 81.
Neumarkt, den 7. November 1935.
Herrn Betriebsleiter Fritz Schmidt, Limmritz i/Sachsen.
Sehr geehrter Herr Schmidt!
In der Erbauseinandersetzungssache des am 27. September 1932 verstorbenen Försters Heinrich Schmidt übersende ich Ihnen anbei eine Abschrift des notariellen Kaufvertrages vom 31. Oktober 1935 mit der Bitte, mit diesem Vertrage und unter Mitnahme eines Personalausweises zu einem in Ihrer Nähe wohnhaften Notar zu gehen und das Kaufangebot dort anzunehmen. Die Annahmeverhandlung bitte ich mir alsdann alsbald zu übersenden.
Mit Deutschem Gruß hochachtungsvoll Unterschrift, Notar.
Abschrift. Nummer 154 des Notariatsregisters für 1935.
Zur Urschrift Drei Reichsmark Stempel verwendet.
Neumarkt, den 6. November 1953. Unterschrift, Notar.
Je eine einfache Abschrift dieser Verhandlung ist dem hiesigen Herrn Landrat im Grunderwerbs- und Wertzuwachssteuerinteresse übersandt am 7. November 1935. Eine beglaubigte Abschrift dieser Verhandlung ist dem hiesigen Finanzamt im Schenkungssteuerinteresse übersandt am 7. November 1935. Neumarkt, den 7. November 1935. gez. Notar.
Neumarkt, den 31. Oktober 1935.
Vor mir dem zu Neumarkt in Schlesien ansässigen Notar im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Breslau Doktor Werner Bartels erschienen heute:
1) Die verwitwete Frau Eleonore Schmidt geborene Steudel aus Rackschütz, Kreis Neumarkt in Schlesien,
2) die Ehefrau Frieda Butter geborene Schmidt in Breitenhof, Post Breitenbrunn im Erzgebirge.
Die Erschienene zu 1 ist dem unterzeichneten Notar persönlich bekannt; Die Erschienene zu 2 wies sich über ihre Person durch Vorlegung der Mitgliedskarte des Deutschen Roten Kreuzes, Sächsischer Landesfrauenverein, Albert-Zweigvereins Schwarzenberg, sowie durch Sachkenntnis aus. Hierdurch hat sich der unterzeichnete Notar Gewissheit über die Persönlichkeit der Erschienenen verschafft. Die Erschienenen erklärten:
Der Förster Heinrich Schmidt aus Rackschütz, Kreis Neumarkt in Schlesien, und ich, Eleonore Schmidt geborene Steudel aus Rackschütz, die Erschienene zu 1, sind je zur Hälfte eingetragene Eigentümer des Grundstücks Keulendorf, Kreis Neumarkt in Schlesien, Blatt 147. Der Förster Heinrich Schmidt ist am 27. September 1932 verstorben. Auf Grund des gemeinschaftlichen Erbscheins des Amtsgerichts Neumarkt in Schlesien vom 9. 0ktober 1935 (3.VI.128./35.) sind folgende Personen Erben des verstorbenen Försters Heinrich Schmidt geworden:
1) Ich, die erschienene Witwe Eleonore Schmidt geborene Steudel in Rackschütz zu einem Viertel,
2) der Betriebsleiter Fritz Schmidt in Limmritz in Sachsen zu einem Viertel,
3) ich, die erschienene Ehefrau Frieda Butter geborene Schmidt in Breitenhof, Post Breitenbrunn im Erzgebirge zu einem Viertel,
4) der Förster Gerhard Schmidt in Tschechdorf, Ottmachau-Land, zu einem Viertel.
Ich, die Erschienene zu 1, will nunmehr von den übrigen Miterben meines verstorbenen Ehemannes die andere Grundstückshälfte erwerben, sodaß ich dann Alleineigentümerin des Grundstücks Keulendorf Blatt 147 werde.
Zur Begründung der Berechnung des Kaufpreises führe ich hierzu an, dass der Wert des Grundstücks 7000.00 Reichsmark beträgt. Die Grundstückshälfte meines verstorbenen Ehemannes hat deshalb einen Wert von 3500.00 Reichsmark. Hiervon entfallen also auf jeden der vier Erben 875.00 Reichsmark. Da aber ein Viertel, nämlich 875.00 Reichsmark mein eigener Anteil ist und ich ferner in Anrechnung auf den Kaufpreis die auf dem Grundstück ruhende Hypothek von 3000.00 Goldmark, die zur Hälfte, also in Höhe von 1500.00 Reichsmark wieder auf die Grundstückshälfte meines verstorbenen Ehemannes fällt, sodaß ich hiervon wieder nur ein Viertel, also 375.00 Goldmark selbst zu tragen habe, während 1125.00 Goldmark, nämlich je 375.00 Goldmark auf meine drei Miterben entfallen, so braucht an die drei Miterben nur eine Barzahlung von je 500.00 Reichsmark, insgesamt also von 1500.00 Reichsmark erfolgen.
Dies vorausgeschickt, biete ich nunmehr meinen drei oben benannten Miterben den Abschluss des nachstehenden
Kaufvertrages an:
§1. Der Betriebsleiter Fritz Schmidt in Limmritz in Sachsen, die Ehefrau Frieda Butter geborene Schmidt in Breitenhof, Post Breitenbrunn im Erzgebirge und der Förster Gerhard Schmidt in Tschechdorf, Ottmachau-Land, verkaufen an die verwitwete Frau Eleonore Schmidt geborene Steudel in Rackschütz, Kreis Neumarkt in Schlesien, die im Grundbuch von Keulendorf, Kreis Neumarkt in Schlesien, Blatt 147 eingetragene Miteigentumshälfte des am 27. September 1932 verstorbenen Försters Heinrich Schmidt, wie sie steht und liegt. Der Verkauf erfolgt ohne Gewährleistung für Mängel und Fehler. Der Käuferin ist der Zustand des verkauften Grundstückes bekannt.
§2. Der Kaufpreis der Miteigentumshälfte des verstorbenen Försters Heinrich Schmidt beträgt $500.00 Reichsmark.
Er wird, wie folgt, belegt:
1) Die Käuferin übernimmt als Selbst- und Alleinschuldnerin in Anrechnung auf den Kaufpreis die auf dem Grundstück ruhende Hypothek von 3000.00 Goldmark, die in Höhe von 1500.00 Goldmark auf die verkaufte Miteigentumshälfte entfällt.
2) 500.00 Reichsmark gelten durch Vereinigung von Schuldner und Gläubiger in der Person der Käuferin als bezahlt, da die Käuferin als Miterbin zu einem Viertel an der Miteigentumshälfte des verstorbenen Försters Heinrich Schmidt teilnimmt.
3) 500.00 Reichsmark zahlt die Käuferin an den Betriebsleiter Fritz Schmidt in Limmritz in Sachsen bis spätestens zum 31. Dezember 1935.
4) 500.00 Reichsmark zahlt die Käuferin an die Ehefrau Frieda Butter geborene Schmidt in Breitenhof, Post Breitenbrunn im Erzgebirge, bis spätestens zum 31. Dezember 1935.
5) 500.00 Reichsmark zahlt die Käuferin an den Förster Gerhard Schmidt in Tschechdorf, Ottmachau-Land, bis spätestens zum 31. Dezember 1935.
Damit ist der Kaufpreis von 3500.00 Reichsmark bezahlt.
§3. Die Übergabe der Miteigentumshälfte an die Käuferin erfolgt bis spätestens zum 31. Dezember 1935. Mit dem Tage der Übergabe gehen Gefahr, Lasten und Nutzungen auf die Käuferin über.
§4. Die Auflassung soll erfolgen, sobald sämtliche Verkäufer und Miterben die Annahme dieses Kaufangebots erklärt und der Ehemann der Miterbin Frieda Butter geborene Schmidt die Erklärung seiner Ehefrau ehemännlich genehmigt hat.
Der Betriebsleiter Fritz Schmidt in Limmritz in Sachsen, die Ehefrau Frieda Butter geborene Schmidt unter ehemännlicher Genehmigung ihres Ehemannes Alfred Butter in Breitenhof, Post Breitenbrunn im Erzgebirge und der Förster Gerhard Schmidt in Tschechdorf, Ottmachau-Land, erteilen hiermit der Büroangestellten Fräulein Anni Erlekampf in Neumarkt in Schlesien Vollmacht, die zur Auflassung erforderlichen Erklärungen für sie rechtsverbindlich abzugeben und entgegenzunehmen.
§5. Die Erschienenen wurden von dem unterzeichneten Notar darauf aufmerksam gemacht, daß die Eintragung der Rechtsänderung im Grundbuch erst dann erfolgt, wenn die in der Reichsabgabenordnung erwähnte Unbedenklichkeitsbescheinigung beigebracht worden ist.
§6. Die Kosten und Stempel dieses Vertrages sowie die Kosten der Auflassung und der gerichtlichen Eintragungen, schließlich auch eine etwaige Grunderwerbssteuer trägt die Käuferin.
Eine etwaige Wertzuwachssteuer tragen die Verkäufer.
[Ende des Vertragstextes]
Es wird beantragt, vorstehende Verhandlung einmal für die verwitwete Frau Eleonore Schmidt geborene Steudel auszufertigen und acht Abschriften herzustellen, darunter eine beglaubigte.
Nachdem die erschienene verwitwete Frau Eleonore Schmidt geborene Steudel diese Erklärung abgegeben hatte, erklärte nunmehr die erschienene Ehefrau Frieda Butter geborene Schmidt:
Ich, die Ehefrau Frieda Butter geborene Schmidt, nehme hiermit das vorstehende Kaufangebot der verwitweten Frau Eleonore Schmidt geborenen Steudel in sämtlichen Punkten an. Die ehemännliche Genehmigung meines Ehemannes, des Gastwirts Alfred Butter wird alsbald nachgebracht werden.
Das Protokoll wurde daraufhin den Erschienenen vorgelesen, von den Erschienenen genehmigt und von ihnen in Gegenwart des unterzeichneten Notars, wie folgt, eigenhändig unterschrieben: Eleonore Schmidt geborene Steudel, Frieda Butter geborene Schmidt, Dr. Werner Bartels, Notar.
Annahme des Kaufvertrages durch Fritz Schmidt, Register des Notariats Döbeln
G.Reg. 108/1935. Döbeln, den 11. November 1935.
Vor mir, dem in Döbeln wohnhaften Sächsischen Notar Dr.jur. Kurt Irmscher erscheint heute in meiner Amtsstelle Breite Straße 2 in Döbeln
Herr Betriebsleiter Fritz Schmidt aus Limmritz-Sa.
Herr Schmidt ist, wie die Unterhaltung mit ihm ergab, geschäftsfähig und hat sich durch Anhang zur Mitgliedskarte Nr. 2963995 der Nationalsoz. Deutschen Arbeiterpartei, Ortsgruppe Masten ausgewiesen.
Herr Schmidt erklärt:
Am 31. Oktober 1935 ist zu Nr. 154 des Notariatsregisters für 1935 des zu Neumarkt in Schlesien ansässigen Notar im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Breslau, Dr. Werner Bartels folgender Kaufvertrag abgeschlossen worden:
[Hier folgt der Text des vorstehenden Kaufvertrages §§ 1 bis 6 sowie die Beantragung der Abschriften]
Ich Betriebsleiter Fritz Schmidt aus Limmritz-Sa. nehme hiermit das vorstehend wiederholte Kaufangebot der verwitweten Frau Eleonore Schmidt, geborene Steudel in sämtlichen Punkten an.
Hierauf wurde vorstehende Niederschrift dem Erschienenen von mir vorgelesen, von ihm genehmigt und, wie folgt, mitunterschrieben:
[Auf dem Durchschlag sind die Unterschriften nicht lesbar].
1936-01-31
Das Amtsgericht. Neumarkt, den 31ten Januar 1936.
Geschäftsnummer: 2 Keulendorf Bd. VI Bl.Nr. 147
Am 29. Januar 1936 ist die verw. Frau Eleonore Schmidt geb. Steudel in Rackschütz hinsichtlich der Hälfte des Heinrich Schmidt auf Grund der Auflassung vom 4. Dezember 1935 als Eigentümerin des in Keulendorf belegenen im Grundbuche von Keulendorf Kreis Nuemarkt Bd. VI Blatt Nr. 147 bisher auf den Namen des Försters Heinrich Schmidt und seiner Ehefrau Eleonore geb. Steudel in Rackschütz je zur Hälfte eingetragenen Grundstücks in das Grundbuch eingetragen worden. Auf Anordnung: Unterschrift, Justizangestellter.
Herrn Betriebsleiter Fritz Schmidt, Limmritz (Sachsen)
Alexander Schmidt, 30.6.2004